Gremium: Ausschuss für Wirtschaft, Handel und Tourismus am 14. April 2026
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Mangen,
sehr geehrte Damen und Herren,
die Arbeits- und Lernwelt befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Neben New Work gewinnen auch New-Learning-Ansätze zunehmend an Bedeutung: dezentrales Studieren, hybride Studiengänge, digitale Weiterbildungsangebote sowie internationales, ortsunabhängiges Lernen. Diese Entwicklungen eröffnen neue Chancen, nicht nur für Einzelne, sondern auch für Städte und Innenstädte.
In Bocholt existiert mit der Etage 3 bereits ein etabliertes Co-Working-Angebot, das vielen Menschen ermöglicht, wohnortnah und professionell zu arbeiten oder zu lernen, auch wenn der Arbeitgeber außerhalb Bocholts sitzt oder das Arbeiten von zu Hause aus räumlichen, familiären oder pflegerischen Gründen nicht möglich ist. Alleinerziehende, pflegende Angehörige, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Personen in Mehrgenerationenhaushalten können von solchen Möglichkeiten profitieren.
Gleichzeitig zeigt der Erfolg der Etage 3, dass hochwertige Co-Working-Angebote eine zahlungsfähige Zielgruppe ansprechen, jedoch nicht alle Bedarfe abdecken können. Insbesondere Menschen in Teilzeit, mit begrenztem Einkommen oder reduzierter Stundenzahl benötigen häufig lediglich einen ruhigen, verlässlichen Arbeitsplatz mit Schreibtisch und WC-Zugang, ohne Zusatzleistungen, zu einer monatlich deutlich niedrigeren Preisschwelle (z. B. unter 150 Euro).
Ein vergleichbarer Bedarf zeigt sich auch im Bereich New Learning: Studierende in Online- oder Hybridstudiengängen, Auszubildende in Weiterbildungsphasen, Menschen in beruflicher Neuorientierung sowie internationale Lernende oder Lehrende benötigen ggfs. einen ruhigen Lernort außerhalb des häuslichen Umfelds. Gerade für junge Menschen kann dies ein entscheidender Faktor sein, um auch während eines Studiums oder internationaler Bildungsformate weiter in Bocholt zu leben.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:
- Wie bewertet die Stadt Bocholt das Potenzial von New-Work- und New-Learning-Angeboten als Instrument zur Belebung und nachhaltigen Entwicklung der Innenstadt, auch im Kontext der Innenstadtstrategie „Kollektiver Systemwandel“?
- Liegen der Stadt Erkenntnisse oder Daten zur Verbreitung von mobilem Arbeiten, Teilzeitbeschäftigung sowie dezentralen Lern- und Studienformaten in Bocholt vor, insbesondere im Hinblick auf junge Menschen, Studierende oder Personen in Weiterbildungsphasen?
- Sieht die Stadt Bocholt die Möglichkeit, leerstehende Immobilien in der Innenstadt für niedrigschwellige Arbeits- und Lernorte zu nutzen, die sowohl für mobiles Arbeiten als auch für dezentrales Lernen geeignet sind?
- Wurden oder werden bestehende Förderprogramme zur Belebung von Leerständen bereits für Arbeits- oder Lernorte genutzt, und könnten solche Nutzungen auch künftig förderfähig ausgestaltet werden – insbesondere mit Blick auf soziale Zugänglichkeit und bezahlbare Angebote?
- Gibt es seitens Stadtmarketing oder Wirtschaftsförderung bereits Erfahrungen, Konzepte oder Pilotprojekte, die zeigen, wie Arbeits- und Lernorte in der Innenstadt neue Zielgruppen anziehen, junge Menschen in Bocholt halten und gleichzeitig Frequenz sowie Aufenthaltsqualität steigern können?
Wir sehen in der gezielten Öffnung der Innenstadt für neue Arbeits- und Lernformen die Chance, qualifizierte Arbeit und Bildung nach Bocholt zu holen, neue Zielgruppen zu erschließen und die Innenstadt als lebendigen Ort des Arbeitens, Lernens und Austauschs weiterzuentwickeln.
Für eine ergebnisoffene Einschätzung und einen möglichen weiteren Dialog bedanken wir uns im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Jens Grotstabel
Birgit Unland
Leon van Drünen
Ausschussmitglieder
Annette Grümer-Weyers
Fraktionssprecherin
