Antrag: Die neu entstehende Straße im Kubaai-Gebiet soll den Namen „Ingeburg van de Sandt“ erhalten

Begründung: Ingeburg van de Sandt (geborene Möllenbeck, geb. 18.6.1930, gest. 30.10.2014) war
Leiterin der Firma van de Sandt GmbH & Co. KG, die sie 1971 nach dem Tode ihres
Mannes übernommen hatte und bis zur Übergabe an ihren Sohn Arno van de Sandt
im Jahr 1991 mit großem Erfolg führte. Bis zum Ende der Geschäfte (2007) war sie
in ihrem Betrieb als Gesellschafterin aktiv.
Die Firma van de Sandt stellte Steuerungsvorrichtungen, sog. Webharnische, für
Jacquard-Webmaschinen her. Der Webharnisch stellt die Verbindung zwischen
Jacquardmaschine und Webmaschine bzw. den Kettf den der Webmaschine her
und sorgt für den Rückzug der Kettenden in das sogenannte Unterfach.
Zwischen 1971 und 1980 wuchs das Unternehmen, bis hin zum Weltmarktführer, im
Bereich Webharnische für Jacquard-Webstühle.
Nach dem Umzug in die neuen Firmengebäude in die Bernhard-Otte-Straße erfolgte
eine deutliche Erhöhung der Produktionskapazität.
Ingeburg van de Sandt war Chefin von bis zu hundert Mitarbeiter*innen und
kümmerte sich neben ihrer Leitungstätigkeit persönlich um alle Betriebsabläufe. Eine
ihrer wichtigsten Aufgaben war das Auftragsgeschä ft. Bereits in den sechziger
Jahren hat sie in Moskau Verhandlungen über Lizenzverträge geführt.
Zu ihrer Zeit war sie die einzige aktive Frau im Textilverband Nordwest.
In ihrem Unternehmen beschäftigte sie zu über 90 Prozent weibliche Arbeitskräfte,
da diese nach ihrer eigenen Aussage eine größere Fingerfertigkeit besitzen und
diese Fingerfertigkeit bei der Produktion von Harnischen, deren Herstellung einen
gro en Anteil von manueller Tätigkeit erforderte, unentbehrlich war.

„Auf die Frage, ob sie in ihrem Metier als Frau Probleme habe, antwortet sie: Ganz
im Gegenteil. Dass sie eine Frau sei, sei eher von Vorteil. Denn sie wisse, was sie
wolle, gehe dabei aber diplomatischer vor als ihre männlichen Kollegen.“ (Auszug
aus: Unser Bocholt. Frauen im Wandel der Zeit, 29.5.1991)
Die Benennung einer Straße nach einer Persönlichkeit soll eine besondere Ehrung
der Person darstellen.
Neben ihrer erfolgreichen unternehmerischen Tätigkeit hat Ingeburg van de Sandt
sich in vielfältigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens engagiert und sich um
das Gemeinwohl verdient gemacht: Mitglied in der Helfervereinigung des
technischen Hilfswerks Bocholt, hier Einsatz für Finanzierung und Neubau der THWUnterkunft
in Mussum, Mitinitiatorin und seit Beginn (13.03.1990) Beiratsmitglied der
„Gesellschaft der Förderer einer Fachhochschule in Bocholt e.V“. lange
Mitgliedschaft bis hin zur 1. Vorsitzenden der Deutsch-Britischen-Gesellschaft in
Bocholt, danach Ehrenvorsitzende, Mitglied im Vorstand der AOK Nordwest als
Arbeitgebervertreterin, um nur einige Bereiche zu nennen.
Für dieses breit gefächerte Engagement für das Allgemeinwohl wurde ihr am
26.8.1994 im Sitzungssaal des Historischen Rathauses das Bundesverdienstkreuz
am Bande als Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Mit der Auswahl des Namens Ingeburg van de Sandt für einen Straßennamen im
Kubaai-Gebiet würde zudem ein kleiner Schritt in die Richtung eines
ausgewogeneren Verhältnisses zwischen den Geschlechtern getan. (Bisher gibt es
in Bocholt eine starke überrepräsentanz von nach Männern benannten
Straßen(ca.151:25).)


Annette Grümer-Weyers
Sandra Tenbusch Maas
Mitglieder des Bezirksausschusses Ost

Monika Ludwig
Fraktionssprecherin